November 2008
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Sonntag, 30 November, 2008
Ein Maskaron in Avignon - Gegen trügerische Meisterschaft
" A lively and what is called a masterly handling of the chalk or pencil, are, it must be confessed, captivating qualities to young minds, and become of course the objects of their ambition. They endeavour to imitate these dazzling excellencies which they will find no great labour in attaining. After much time spent in these frivolous pursuits the difficulty will be to retreat.; but it will then be too late; and there is scarce an instance of return to scrupulous labour, after the mind has been debauched and deceived by this fallacious mastery.!
(Sir Joshua Reynolds, zitiert nach Rex Vicat Cole in the "artistic anatomy of trees" erstmalig publiziert 1915)
Montag, 24 November, 2008
Heute nicht exclusiv in diesem Blog - Louis Antoine Garnier-Pagès par Gill
Aus gegebenem Anlass wird heute ein Stück aus unserer bescheidenen Grafiksammlung gezeigt und damit verwiesen auf Louis-Antoine Garnier-Pagès
Zitat aus Wikipedia
"Am 5. März zum Finanzminister ernannt, erwirkte er von der Bank von Frankreich gegen Verpfändung von Staatsforsten eine Anleihe von 230 Millionen Frank, indem er den Bankzetteln Zwangskurs verlieh, vertagte die Einlösung der Schatzscheine, die fast zwei Drittel der schwebenden Schuld bildeten, nahm auch den Rest derselben, Sparkasseneinlagen im Betrag von 350.Mill., für die Bedürfnisse des Staats in Anspruch, indem er Rückzahlungen nur zum Belauf von 100 Fr. gestattete und für das übrige Schatzscheine oder Rentenbriefe ausstellte, erhöhte die direkten Steuern um 45 Proz. und vermied durch diese und ähnliche, freilich höchst unpopuläre Maßregeln wenigstens die drohende finanzielle Krisis."
Ja, das waren noch Zeiten und Köpfe !
Montag, 17 November, 2008
Zeichnen - aber wie ? zwischen Handwerk und Intuition
Mit zunehmender Übung und Routine des Zeichners werden Zeichungen nicht unbedingt besser. Oft genug werden die Arbeiten lediglich genauer und tendieren zur Vorführung möglichst perfekter Augentäuschung.
Diesem Sog zur technischen Perfektion ist wohl jeder ausgesetzt, der Bilder macht und die spannende Frage ist, wie man diese Falle vermeidet. Mit dieser Fragestellung ist man aber eigentlich schon verloren. Versuche diese Falle zu vermeiden sind häufig nämlich auch sehr offensichtlich und genauso enttäuschend, weil man den Arbeiten den krampfhaften Versuch, locker zu bleiben oder zu den kindlichen Bildreservoirs zurückzurudern, deutlich ansieht.
Tatsächlich entwickelt sich die Handschrift eines Zeichners immer weiter und die Frage ist, wie kann man sich so etwas wie "Frische" erhalten? Theoretische Überlegungen sind zwar hilfreich, aber in der Praxis hilft das nach meiner Erfahrung nicht sehr viel.
Als ganz passabler Einstieg hat sich für mich die Einsicht erwiesen, daß ein fertiges Bild im Kopf eigentlich nicht mehr gezeichnet werden muss, interessanter kann es sein, der Zeichnung freien Lauf zu lassen und sich der Beobachtung zu widmen.
Das hier skizzierte Spannungsfeld behandelt ein lesenswerter Aufsatz von Roy Oxlade mit dem Titel "Good Draughtsmanship or Real Drawing?" (Link zu BLUNT EDGE, Peter Fuller Foundation). Betrachtet man nach der recht schlüssigen Lektüre Arbeiten von Roy Oxlade stellt sich die Frage nach der praktischen Umsetzung dennoch unvermindert.
Wie eine Antwort in der Landschaftsmalerei lauten könnte, zeigt George Rowlett wie ich finde auf einzigartige Weise.
Sonntag, 16 November, 2008
Elfinger Hof - Aquarell und Tusche
In einer mit Aquarellfarben unterlegten Tuschezeichung habe ich die letzten Herbstfarben am Elfingerhof festgehalten. Hier sind weitere (ältere) Ansichten vom Elfingerhof zu sehen.
Mittwoch, 12 November, 2008
Agnes Martin 1912-2004 - Writings
Nach dem vorherigen Beitrag über eine etwas drastische Art Bilder zu erzeugen stelle ich heute als Kontrast, aber doch mit Zusammenhang, die kanadische Künstlerin Agnes Martin vor.
Ähnlich wie bei Burroughs spielt der Herstellungsprozess bei Agnes Martin eine wichtige Rolle, im Gegensatz zur Kunst realistischer Maler und Zeichner, die hauptsächlich oder ausschliesslich Interesse am Ergebnis haben.
Agnes Martin hat mit 92 Jahren im Jahr 2004 noch eine Ausstellung mit neuen Bildern in der New Yorker Galerie PaceWildenstein bestritten (Artikel im New Yorker).
Die Schriften von Agnes Martin zählen zu den interessantesten Texten, die ich von Künstlern kenne. Agnes Martin stösst mir ihren eigenartigen Gedankengängen, die sehr stark von buddhistischer Philosophie geprägt sind, direkt und ohne jeden kunsttheoretischen Ballast zu den Kernfragen des Künstlerdaseins vor. Besonders hervorzuheben ist vielleicht ein Vortrag (On the perfection underlying life - Über die Vollkommenheit die dem Leben zugrunde liegt), den Agnes Martin auf Anfrage des Institute of contemporary Art der Universität Pennsylvania vor jungen Künstlern gehalten hat und dessen Manuskript erhalten ist. Unter anderem wird darin ausgeführt :
"Ich bin hauptsächlich gekommen, um zu jenen unter euch zu sprechen, die (diese) Misserfolge erkennen. Ich möchte besonders zu jenen sprechen, die alle ihre Misserfolge erkennen und die sich unzulänglich und unterlegen fühlen, zu jenen, die sich als ungenügend empfinden, denen mangelt, was erwartet oder gebraucht wird. Ich möchte irgendwie erklären, daß diese Gefühle den natürlichen Geisteszustand des Künstlers darstellen, daß ein Gefühl der Enttäuschung und Niederlage der wesentliche Geisteszustand für kreative Arbeit ist."
Diese Texte sind nicht nur für Künstler sehr aufschlussreich, sondern für alle, die sich in irgendeiner Form für kreative Arbeit und ihre Bedingungen interessieren.
Agnes Martin Writings
Herausgegeben von Dieter Schwarz
Verlag Cantz 1991 5.Auflage
ISBN 3-89322-326-6 (171 Seiten, 13 Vorträge,8 Abbildungen, Text englisch und jeweils deutsch)
Nach der intensiven Arbeit mit gegenständlichen Zeichnungen ist in mir ganz natürlich das Bedürfnis entstanden, mich mit dem Vorgang des Zeichnens jenseits oder ohne realistischen Formgehalt zu beschäftigen. Die kleine Zeichung im Format von etwa 17,5X24 cm besteht aus unzähligen parallelen Tuschestrichen.
Der Versuch möglichst identische Markierungen zu hinterlassen führt ganz zwangsläufig zu Formschwankungen. Jeder Strich ist in Wahrheit ein Inpiduum. Diese Zeichenübungen, bei denen ich mich nur auf den Vorgang des Zeichnens bzw. der Federführung konzentriere und beobachte was geschieht bei dem vergeblichen Versuch völlig identische Striche oder Strichkombinatinen zu erzeugen, vermitteln mir unerwartete Einsichten und Impulse für meine gegenständlichen Arbeiten.
Montag, 10 November, 2008
Malen mit der Schrotflinte - William S. Burroughs
Man kann nicht nur kunstvoll auf Leinwand pinkeln (siehe Warhol), sondern auch mit der Schrotflinte anstatt des Pinsels malen. Das wurde eindrucksvoll von William S. Burroughs in den 1990er Jahren demonstriert.
Einen Film und einen Interviewauszug gibt es auf Ubu.com zu sehen : Shotgun paintings.
Freitag, 07 November, 2008
Gerhard Richter nervt (mich) und das auch noch im Wald
Letztes Wochende auf dem Büchertisch in der Kunstbuchhandlung : Gerhard Richter "Wald"
Ein fettes Buch mit hunderten von Seiten. Jeweils links Buchstabensuppe und rechts ein Foto eines jungen Laubmischwaldeswaldes (Esche,Ahorn etc.), wahrscheinlich eines Auewaldes, irgendwo bei Köln, wo man vorbeikommt,wenn man den Hund Gassi führt. Das Thema Wald wäre somit umfassend und abschliessend vom Großmeister totgeschlagen. Danke dafür !
Jetzt suche ich gerade das Link zum Buch und bekomme die Bestätigung zu Lokalität, Methode und Intention. Sauberle. Mit meinen Waldbildern werde ich mir nunmehr viel Zeit lassen können, mindestens bis zur nächsten Durchforstung im Hahnwald bei Köln
Dienstag, 04 November, 2008
Landschaft für Kirkeby No.6
Das Handbuch von Kirkeby wird in einzelne Blätter zerlegt und mit Landschaften in Tusche bezeichnet.
Versuch einer absurden Verbindung von Text und Bild.
Blattgröße : eine Doppelseite ca. 24x37 cm.
Hier: Seite 36 + 45, Landschaft in Tusche,Sonntags vor der Natur gezeichnet
Preis: € 65.- zzgl. Versandkosten (€ 2,20)
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"Mein Brocken wird nur zu einem Bohr-Monument, wenn man sieht, dass dieses Kunstwerk sich auf demselben Niveau befindet wie das Lebenswerk Bohrs. Vielleicht ist das eine zu unmögliche Zusammenstellung. Vielleicht geht es auch um Akzeptanz." (Per Kirkeby, "Handbuch", Berlin 1993)
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Samstag, 01 November, 2008
Straßburg im Stehen - Republikflucht am 3. Oktober
Diese kleine, im Stehen am Münsterplatz zu Straßburg angefertigte Skizze, ist das Zeugnis einer alljährlich wieder und wieder gepflegten, temporär begrenzten Republikflucht ins benachbarte Elsaß. Die Straßburger ertragen es mit Fassung, daß am 3. Oktober die Deutschen kommen. Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar.
Nach den neuesten Verlautbarungen wie die Krise unserer wackeren KFZ-Industrie zu beheben sei, darf man nicht am Verstand unserer verehrten Regierungskoalition zweifeln, sondern eher am guten Willen, was leider auch nichts Neues ist. Wenn ich es mir recht überlege, werde ich mein deutsches Fahrzeug noch 2 Jahre länger als bisher beabsichtugt fahren und dann einen "Franzosen" kaufen, am besten mit Steuerbefreiung. Und jetzt soll noch einer behaupten, Künstler, die Landschaftskizzen zeichnen, seien unpolitisch. Da muss man ganz schön aufpassen, wenn man so einen an der Ecke stehen und zeichnen sieht, wer weiss was in dem vorgeht.
