Juni 2008

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Freitag, Juni 27, 2008

Piranesi Paraphrase No.19 Veduta dell`Arco di Constantino, e dell Anfiteatro Flavio detto il Colosseo

Piranesi Paraphrase No19 Edition Handdruck
Piranesi hat mehrere imposante Darstellungen des Colloseums angefertigt. Die dieser Paraphrase zu Grunde liegende Radierung stammt vermutlich schon von 1746-1748 , d.h. Piranesi hat diese Arbeit im Alter von 26-28 Jahren ausgeführt.
Wahrscheinlich hat dieses Blatt mit zu den Bestsellern der ersten Ausgabe von Rom Ansichten gezählt. Am "Souvenir-Shop" Piranesi kam der Grand Tourist im 18. Jh nicht vorbei ! Piranesi beschäftigte zeitweise sogar mehrere Agenten,die ihm nicht nur im Vertieb seiner Grafiken behilflich waren,sondern auch beim Handel mit Antiquitäten und "restaurierten" Vasen, Kaminverkleidungen etc. Es scheint so,daß Piranesi es teilweise mit der "Echtheit" seiner Antiquitäten nicht sehr genau genommen hat,sondern mit Hilfe seiner Assistenten Erstaunliches vollbracht hat, das, auf antik getrimmt, guten Absatz fand.
Er selbst bleibt, wie man sieht, selbst heute nicht von Nachahmern verschont. Bei den Recherchen zu diesem Beitrag bin ich auf Jacob Friedrich gestossen ! Es wäre interessant zu wissen,ob es damals eine Art Lizenzvereinbarung zwischen den beiden Künstlern gab.

Samstag, Juni 21, 2008

Piranesi Paraphrase No.18 Veduta della Basilica di S.ta Maria Maggiore

Piranesi Paraphrase No.18 Veduta della Basilica di S.ta Maria Maggiore

Vermutlich ist das Original zu dieser Paraphrase um 1748 entstanden. Damals wurde die Fassade von Ferdinando Fuga fertig gestellt. Piranesi hat wie in vielen anderen Fällen auch den Vordergrund mit anitken Säulenbruchstücken "garniert", die real so nicht vorhanden gewesen sind. Die Säule im Vordergrund stammt aus der bei einem Erbeben im Jahr 1349 stark beschädigten römischen Maxentius Basilika. Es ist die einzige der acht 20 m hohen Säulen, die das Erdbeben überstand und wurde 1614 von Papst Paul V. zur Piazza Santa Maria Maggiore gebracht.

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Montag, Juni 09, 2008

Piranesi Paraphrase No.17 - Veduta della Basilica di S. Giovanni Laterano

Basilica Laterano Piranesi Paraphrase Edition Handdruck
Dem hervorragenden Katalog zur Stuttgarter Sammlung entnehme ich,daß die Erstausgabe von Piranesis Darstellung der Lateran Basilika vermutlich um 1746-48 erschienen ist. Es handelt sich also um ein recht frühes Blatt. Die Vedute di Roma fanden vor allem unter den Romreisenden glänzenden Absatz. Vieleicht hat sich Piranesi auch von Verkaufsargumenten leiten lassen und diesem wichtigen Bauwerk daher relativ früh seine Aufmerksamkeit geschenkt.

Ein Vergleich mit einer um etwa 25 Jahe später erschienenen,zweiten Ansicht macht deutlich, welche Entwicklung in Piranesi`s Werk stattgefunden hat. Abgesehen von der technischen Entwicklung hin zur Perfektion,die in der Behandlung des Himmels ersichtlich wird, ist an diesem Beispiel auch die zunehmende "Dramatisierung"zu erkennen. Piranesi hat übrigens dieses Blatt wie viele andere später überarbeitet. Unter anderem hat er die etwas unförmigen schwarzen Wolkenformationen "geglättet".

Die Verzerrung der Größenverhältnisse ist in der späteren Darstellung noch gesteigert. Der Blick wird nicht mehr aus Bodennähe,sondern aus erhöhter Position auf das Gebäude geworfen. Die Fassade ist zudem teilweise verschattet.(Online Abbildungen der Originalarbeiten sind auf Webseite der Universität Tokyo : KAMEI-collection,siehe Linkliste,zu finden)

Den Katalog "Giovanni Battista Piranesi" Die poetische Wahrheit(1999), herausgegeben von Corrinna Höper, lese ich mit großer Begeisterung. Der über 400 Seiten starke Katalog gibt viele Informationen, hervorragende Abbildungen zur Stuttgarter Sammlung und eben auch Anregungen die Veduten aus unterschiedlicher Perspektive zu betrachten.

In meiner Paraphrase habe ich einige Abwandlungen vorgenommen, bei denen ich mich recht gut amüsiert habe. Dabei ist mir sehr wohl bewusst,daß der Absturz ins Lächerliche unter Umständen nur wenige Pinselstriche entfernt ist. Aus der Spannung zwischen Original und Abwandlung ziehe ich großen Gewinn für meine "eigenen " Bilder. Die Aussicht, einmal meine ganz eigene Edition der Vedute di Roma zu besitzen gepaart mit der Ungewissheit, wohin mich diese Reise noch treiben wird, erfüllt mich mit einer delikaten Vorfreude.
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Montag, Juni 02, 2008

Piranesi Paraphrase No.16 - Veduta della Facciata di dietro delle Baslilica di. S. Maria Maggiore

Piranesi Paraphrase No.16 - Veduta della Facciata di dietro delle Baslilica di. S. Maria Maggiore, Edition Handdruck

Paraphrase No.16 ist eine Bearbeitung der Rückansicht der Basilica S.Maria Maggiore, eine der sieben Pilgerkirchen und neben San Giovanni in Laterano und dem Petersdom eine der Hauptkirchen Roms.

Die Fassadengestaltung galt zu damaliger Zeit als sehr modern.Piranesis Arbeit zeigt einige Besonderheiten, die wohl als Indizien für seinen freien Umgang mit der Realität gesehen werden können. Auffällig ist beispielsweise die starke, teilweise asymmetrische Verzerrung in der Darstellung des rechten Kuppelturmes. Man kann hier ohne weiteres erkennen,daß die Regeln der Zentralperspektive nicht durchgehend eingehalten wurden. Gleichzeitig erscheint die Spitze des in der Vorderansicht hoch über die beiden seitlichen Kuppeln aufragende Campanile nur als Turmspitze. Man könnte vermuten,dass einige Geschosse des Uhrenturms den Grenzen des Formates "geopfert" wurden. Es wird angenommen,daß die Erstausgabe dieses Blattes 1756/57 erschienen ist.

Was die Position der Säule anbetrifft, so hat Piranesi anscheinend die reale Situation festgehalten. Rätsel geben dagegen die eigenartigen, umbundenen Baumgruppen mit Figuren im Vordergrund auf. Handelt es sich hier um den Versuch einer "städtischen Grünanlage" ? (Hier lohnt es sich die Originalarbeit mit dem hervorragenden Zoomviewer in der Online Kamei-Collection zu betrachten) Tatsächlich scheint es heute an dieser Stelle einige Bäume zu geben. Auffällig sind diese Bäume auch deshalb, weil in den meisten Veduten Bäume und Sträucher in der Regel an den Bildrand als Rahmung gedrängt sind oder aber als Zeichen der Verwahrlosung und Überwucherung im Bild Eingang finden.

In meiner Paraphrase habe ich mit der christlichen Symbolik, über deren Bedeutung in Piranesi`s Arbeiten auch spekuliert werden kann, "gespielt" und einen dramatischen Schattenwurf an der Gebäudefassade konstruriert. Zwei Figuren im tiefen Schatten betrachten von erhöhtem Standpunkt aus die Fassade. Die Entstehung dieses Blattes könnte unter dem Motto:" Learning from desaster" stehen. Entwickelt hat sich daraus ein Blatt mit Abweichungen von der Vorlage sowie dramatischer Lichtführung und "ruinöser" Stimmungslage.

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