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Freitag, September 07, 2007

Piranesi Paraphrase No.4 - Der Bacchustempel - Monotypie

Bacchustempel Piranesi Paraphrase
Der dramatische,in der Form wahrscheinlich frei erfundene, Schatten hat mich bewogen den Bacchustempel als nächstes Motiv zu wählen. Piranesi stellte das durch Umbauten sichtbar veränderte, antike Bauwerk in eindeutig verwahrlostem, ruinösem Zustand dar. Die Zwischenräume der Säulen im Eingangsbereich sind rücksichtslos durch Mauerwerk ausgefüllt um Wohnraum zu schaffen,wie die Eingefügten Fenster in der Vorderfront zeigen.
Aber selbst die zweckentfremdete Nutzung des Tempels als Wohnhaus scheint bereits aufgegeben. Seitlich ist eine schräge Erweiterung zu sehen, die vielleicht als nachträglich eingebauter Kamin zu deuten wäre. Auf dem beschädigten Dach des Gebäudes wachsen zahlreiche Pflanzen,die die Rückeroberung der sichtlich vom Einsturz bedrohten Architektur durch die Natur ankündigen.
Piranesis Darstellung ist eine perfekte Inszenierung, die Realismus bis ins kleinste Detail vortäuscht. Die Trostlosigkeit der Szenerie verneint die Aussicht auf eine bessere Zukunft, sondern übt beissende Kritik an der Prianesi so verhassten Geringschätzung römischer Baukunst.
Diese Inszenierung traf zumindest in der verklärten Sicht auf vergangene Epochen den Zeitgeist.Piranesi verkaufte seine Vedute di Roma mit großem Erfolg an die damaligen Rom-Touristen und Bildungsreisenden. Die regelrechte Ruinenbegeisterung im 18. Jahrhundert ging teilweise soweit, daß Gartenbesitzer vorhandene Gebäude künstlich zur Ruine gestalten liessen oder gar "originalgetreue" Nachbauten römischer Ruinen in ihren Landschaftsgärten errichten liessen.

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