Piranesi Paraphrasen - Edition Handdruck
Ein kurzer Besuch in
einer Galerie,in der rund ein Dutzend großformatige Arbeiten zu sehen
waren, hat bei mir den Wunsch ausgelöst, selbst Arbeiten nach Piranesi
anzufertigen und zwar nach den "Vedute di Roma" ,135 Ansichten des
antiken Roms, an denen Piranesi von 1747 bis zu seinem Tode gearbeitet
hat.
Abgesehen von der Wirkung durch die teilweise ungewöhnlich großen Formate der Platten/Drucke, hat mich die ungewöhnliche Intensität der Darstellung sehr beeindruckt. Die in der Literatur immer wieder beschriebene, für die damalige Zeit revolutionäre Art der Darstellung und bis heute unübertroffene Qualität architektonischer Darstellungen wurde mir dadurch erst bewußt. Durch die Betrachtung von kleinformatigen Reproduktionen ist die Wirkung dieser unglaublichen Grafiken kaum nachzuvollziehen. Hinzu kam die für den heutigen Betrachter fast surreale Wirkung der Darstellung der antiken Ruinen in denen die dargestellten menschliche Figuren wie verloren in einer unwirklichen Phantasielandschaft erscheinen. Bekanntermaßen hat sich Piranesi vor allem bemüht durch seine Kunst die Überlegenheit der römischen Architektur gegenüber der griechischen Antike unter Beweis zu stellen. Heute wirken diese Darstellungen eher wie ein grandioser Abgesang auf den Untergang des römischen Reiches.

Besonders interessant war für mich eine Textpassage aus dem bei Taschen erschienen Band, die sich mit der städtebaulichen Situation Roms zur Zeit Piranesis befasst :" Eine fragmentarische und ungeordnete Stadt, ein verwüstetes Terrain von ländlicher Archaik,ver-,über und zugebaut mit architektonischen Zufallslösungen, die nicht miteinander harmonierten; gleichsam Inseln mit Bauten der Renaissance,der Gegenreformation, des Barock; Basiliken, Paläste, Kirchen, in denen feindselige Stile einander zurückzudrängen suchten, und all dies auf Kosten dessen, was die Römer der Antike nach Piranesis Meinung in sehr viel höherem Maße verwirklicht hatten: der organisch entwickelten Stadt, der "Urbs" (Zitiert aus: Luigi Ficacci, Piranesi- the Etchings, Taschen Verlag 2006, ISBN 3-8228-5094-2).
Manches davon erscheint mir auch heute noch aktuell wenn es um die
Beschreibung von Städten und deren Entwicklung geht. Dadurch ergab sich eine Verbindung
zu meinem Projekt Stadtlandschaft
Stuttgart bzw. zu meinem eigenen Interesse an einer zeitgenössischen Form der Vedute. Daraus entstand letztlich die Idee zu diesem Projekt"Piranesi - Paraphrasen". Ich werde versuchen nach und nach Piranesis gesamte Serie von 135 Radierungen in Monotypien umzusetzen. Die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit Piranesis Werk und Leben wird sicher zahlreiche Impulse für meine Arbeiten zu Ort und Landschaft geben.
Martin Stankewitz - August 2007