Donnerstag, Juli 08, 2010
Piranesi Paraphrase no.45 - Teatro di Marcello
Kaiser Augustus ließ das Marcellustheater im Gedenken an den Sohn seiner Schwester Octavia erbauen. Es war das zweite Theatergebäude, das in Rom erbaut wurde. Angeblich konnte das Theater ca. 30 000 Besuchern Platz bieten. Zu seiner Einweihung sollen laut einer Beschreibung von Mariano Vasi 600 Wildtiere in Gladiatorenkämpfen getötet worden sein.
Das antike Gebäude hat über die Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen, Umbauten und Zeiten der Vernachlässigung erfahren. Wie so oft wurde auch dieser Bau zeitweise als Steinbruch genutzt bis schliesslich die Adelsfamilie Orsini das Gebäude im 16. Jh. in Besitz nahm und zum Familienpalast umbaute. Zuvor schon waren Wohnungen über den Arkadenreihen aufgebaut worden und das Gebäude zeitweilig als Festung genutzt worden.
Piranesi zeigt in seiner Darstellung von 1757 wie die Arkadenbögen im Erdgeschoss als Ladengeschäfte (Weinhandlung?) genutzt wurden. Darüber könnten sich Lagerhallen befunden haben, die vergitterten Fenster lassen diese Nutzung vermuten. In den oberen Stockwerken sind offensichtlich Wohnungen eingebaut. (Links zur Kamei Collection : Teatro di Marcello, heutiger Zustand).
Diese Vedute ist ein weiteres Beispiel für die herausragende Radiertechnik Piranesis. Der Schatten auf dem Gebäude ist nur durch Variation der Strichstärke erzeugt. Im Vordergund spielen sich Alltagsszenen ab. Gespanne mit Waren sind zu sehen. Am rechten Bildrand befindet sich eine Hufschmiede,mehrere Personen versuchen, ein scheuendes Pferd zu bändigen.
Montag, Juni 21, 2010
Piranesi Paraphrase No. 44 Veduta dell'Isola Tiberina.
Piranesi hat die kleine, wenig mehr als 50 Meter breite Tiberinsel in beeindruckender Weise dargestellt (Link Kamei-Collection).
Vergleicht man Piranesi`s Arbeit mit anderen künstlerischen Darstellungen der Tiberinsel so wird erneut deutlich, wie weit Piranesi seine Zeitgenossen hinter sich gelassen hat. Ein Blick mit der virtuellen Lupe auf die Gebäude im Hintergrund unterstreicht seine Meisterschaft und seine kompromisslose Arbeitsweise.
Montag, Mai 24, 2010
Piranesi Paraphrase NO. 43 Veduta della facciata della Basilica di S. Giovanni in Laterano
Piranesi hat mehrere Ansichten der Lateranbasilika "San Giovanni in Laterano" angefertigt, im Zyklus der Vedute di Roma sind zwei Aussenansichten und eine Innnenansicht enthalten. Die Basilika kann in einem virtuellen Rundgang auf der Webseite des Vatikan besichtigt werden. Eine zeitgenössiche Photographie ist hier zu sehen.
Montag, April 05, 2010
Piranesi Paraphrase No.42 - Veduta delle due Chiese l'una detta della Madonna di Loreto, l'altra del nome di Maria presso la colonna Trajana
Die beiden an der Piazza die Colonna Trajana gelegenen Kirchen Madonna di Loreto und Nome di Maria sind Kuppelbauten, die die Architektur des Platzes dominieren.(Neuzeitliche Aufnahmen auf Roman artlover). Obwohl fast zwei hundert Jahre später gebaut, ist die ältere und größere Kirche im Hintergrund (Nome di Maria) in sehr ähnlichem Baustil gehalten.
Den Bau dieser Kirche hat Piranesi selbst in Rom erlebt. Das Gebäude wurde 1751 fertig, Piranesis Radierung stammt aus dem Jahr 1762. In der Originalarbeit (Link zur Kamei Collection) fällt wieder der eigentümliche Schattenwurf auf den Gebäuden auf. Die Fassenden auf der linken Seite sind zwar im Schatten, der Platz selbst ist jedoch hell beleuchtet. Auch dieses Blatt ist ein Beispiel für die freie Umsetzung von Proportionen, Raum und Licht, die manipuliert wurden, um die Bildwirkung zu verstärken.
Betrachtet man die Trajanssäule und andere Details in der Piranesi Radierung mit dem Zoomviewer, erkennt man, welch grandiose Arbeit Piranesi mit seinen Vedute di Roma geleistet hat.
Sonntag, März 28, 2010
Piranesi Paraphrase No.41 - Sepolcro di Caecilia Metella
Das Grabmal der Cecilia Metella (link zu alten Postkartenansichten im Goethezeitportal) ist eines der zahlreichen Grabmäler an der berühmten Via Appia.
Größere Kartenansicht
Dieses im Mittelalter zur Festung umgebaute Grabmal ist auch in der wohl bekanntesten Goethedarstellung, einem Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Goethe in der Campagna, abgebildet.
Donnerstag, Februar 25, 2010
Piranesi Paraphrase No.40 Veduta della Piazza del Popolo
Piranesis Darstellung der Piazza del Popolo (Link zur Kamei-Collection,Piranesi) zählt zwar nicht zu den größten Blättern der Vedute die Roma, aber die Figurenstaffage und der geradezu üppige Equipagenverkehr, der sich vom Vordergrund bis in perspektivisch langgestrecken Strassenzüge verfolgen lässt, suggerieren große Dimensionen und Weite des Raumes. Im Vergleich mit Fotografien aus heutiger Zeit zeigt sich erneut, wie extrem Piranesi die Perspektive in seinen Arbeiten verzerrt hat, um monumentale Wirkung zu erzielen. Bemerkenswert ist zu sehen, wie der durchfurchte Platz und das Menschengewimmel zum Haupthema werden. Obwohl die beiden Kirchengebäude und der ägyptische Obelisk das Blatt strukturieren, erscheint die Architektur hier fast leblos und in Umkehr der sonstigen Dramaturgie als Kulisse für die Figuren zu dienen.
Anstatt tagelang das Getümmel des Platzes abzuarbeiten,wurde die Paraphrase No.40 zu einem radikalen Gestaltungsakt nach dem Motto "schöner scheitern" genutzt. Piranesi hätte den Urheber dieses Werkes ohne Zweifel in einem Anfall von Raserei über diesen Missgriff mit einem langen Radierstichel unverzüglich entleibt.
Donnerstag, Januar 28, 2010
Piranesi Paraphrase No.39 Veduta dell'Arco di Tito.
Der Titusbogen ist der älteste, erhaltene Triumpfbogen Roms. Diese Ansicht zeigt den Titusbogen (Link zur Piranesi Kamei Collection) im Jahre 1748 als Anbau der Mauer um das Klostergebäude von Santa Maria Nuova. Erst mit der Renovierung von 1822 durch den Architekten Valadier wurde der Triumpfbogen wieder freigestellt. In der Serie der Vedute di Roma ist auch eine zweite Ansicht in gleichem Zustand enthalten (Piranesi Paraphrase No.32).
Der Detailreichtum der Originalradierung ist atemberaubend (Detail in der Kamei Collection), Piranesi hat selbst im Hintergrund Figuren und Architekturdetails akribisch dargestellt.
Freitag, Dezember 11, 2009
Piranesi Paraphrase No. 38 - Avanzi di una Sala appartente al Castro Pretorio nella Villa Adriana in Tivoli
Piranesi war selbst an Ausgrabungen in der Hadrians Villa in Tivoli beteiligt. Tivoli hat er insgesamt 20 Ansichten gewidmet. Hier sind die Überreste des heute als Philosophenhalle bezeichneten Gebäudes, dargestellt. Geschickt treibt Piranesi den Blick des Betrachters entlang der großen Mauer hin zu den abschliessenden Überresten eine Kuppel. Wie in so vielen Darstellungen ist der Blick des Betrachters regelrecht eingefangen. Die Türöffnungen lassen zwar Licht einfallen, erlauben jedoch keinen Blick nach draußen.
Das Originalblatt ist ca. 44X58 cm groß.(Link zur Kamei Collection). Auf Villa-adriana.net ist eine Satelittenaufnahme zu sehen, die den heutigen Zustand zeigt.
(Siehe auch Paraphasen No25 u. 35)
Montag, September 21, 2009
Piranesi Paraphrase No.37 - Veduta degli avanzi del sepolcro della Famiglia Plauzia
Diese Ansicht zeigt die Grabstätte der Familie des Plautius an der Brücke Ponte Lucano über den Fluss Anione aus nächster Nähe. Piranesi zeigt die Mauerreste der antiken Grabstätte, und blendet den später im Mittelalter errichteten Wehrturm weitgehend aus.
Donnerstag, August 27, 2009
Piranesi Paraphrase No.36 Veduta sul Monte Quirinale del Palazzo dell' Eccellentissima Casa Barberini
Der Palazzo Barberini beherbergt heute ein bedeutendes Kunstmuseum. Das Gebäude im Barockstil wurde von dem berühmten Architekten Bernini vollendet. Der heutige Zustand und das Umfeld der Piazzia Barberini ist auf Romartlovers sehr anschaulich erläutert.
Wie so oft hat Piranesi antike Trümmer, im Vordergrund plaziert und mit einer reichhaltigen Figurenstaffage ausgestattet. Auch die Einrahmung durch Bäume und Hütten ist häufig zu finden. Auf die Gebäudefassde sind Schatten aus drei verschiedenen Richtungen geworfen. Dies ist mit natürlichen Lichtverhältnissen nicht zu erklären, auch hier ging es Piranesi vermutlich nur um den dranatischen Effekt.

