Seit August 2007 entsteht eine Serie von Monotypien nach den "Vedute di Roma" von G.B.Piranesi.

-------------------->WEBLOG : "Vedute di Roma" Piranesi Paraphrasen<----------


Für heutige Betrachter zeigen Piranesis Darstellungen des antiken Rom eine in noch viel größerem Maße entrückte Realität als dies für seine Zeitgenossen der Fall gewesen sein muss. Die von Piranesi beabsichtigte "Überhöhung" der antiken, römischen Kultur und die versteckte Kritik an dem nachlässigen Umgang mit den antiken Bauwerken treten in den Hintergrund. Die extreme Verzerrung der Größenverhältnisse, insbesondere die auf Zwergengröße reduzierten Figuren führen zu einer grotesken bis bedrohlichen Atmosphäre. Hinzu kommt, vor allem in den späteren Arbeiten, die aggressive Lichtführung mit teilweise "erfundenen" Schatten. Die winzigen Figuren scheinen verloren herum zu irren, ohne Bezug zu der Welt der kolossalen oft in Verfall begriffenen Bauten.


Rom als das Urbild der römischen Stadt zeigt sich in Piranesis Werk als "Eine fragmentarische und ungeordnete Stadt, ein verwüstetes Terrain von ländlicher Archaik,ver-,über und zugebaut mit architektonischen Zufallslösungen, die nicht miteinander harmonierten; gleichsam Inseln mit Bauten der Renaissance, der Gegenreformation, des Barock; Basiliken, Paläste, Kirchen, in denen feindselige Stile einander zurückzudrängen suchten, und all dies auf Kosten dessen, was die Römer der Antike nach Piranesis Meinung in sehr viel höherem Maße verwirklicht hatten: der organisch entwickelten Stadt, der "Urbs"(Zitiert aus: Luigi Ficacci, Piranesi- the Etchings, Taschen Verlag 2006, ISBN 3-8228-5094-2).


Hier liegt die Parallele zur heutigen Zeit, nicht nur auf den modernen Städtebau bezogen, sondern auf das gesamte gesellschaftliche Leben. Der sich mehr und mehr beschleunigende Prozess der Einebnung, Entwertung und Entleerung kultureller Grundlagen lässt den Blick zurück auf das antike Rom surreal oder virtuell erscheinen. Die jüngsten virtuellen Rekonstruktionen des Forum Romanum schaffen keinen Bezug, bringen keine Annäherung an die Antike, sondern verstärken eigentlich nur noch den Eindruck der Unwirklichkeit.


In diesem Sinne sind die Paraphrasen nach Piranesi ein Ausdruck der fortschreitenden Entfremdung von Realität und Geschichte und zeigen die Auflösung der Wirklichkeit in ein virtuelles Zerrbild . Die scheinbare Zeitreise in die Vergangenheit ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine maskierte Darstellung der ruinierten Gegenwart. Die Paraphrasen zeigen den Menschen als Zeugen und Betrachter in den Ruinen seiner eigenen Taten.